..... Geschichte der Pathologie in Bamberg

(Veröffentlicht in: Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Pathologie, 87.Tagung, Hrsg. Thomas Kirchner, 2003, S.12-20)

Die Anfänge
Die Pathologie im 19. und 20. Jahrhundert
Die Pathologie nach dem 2. Weltkrieg

Die Anfänge
Die Geschichte der Pathologie in Bamberg beginnt nachweislich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Fürstbischoff Melchior Otto Voit von Salzburg gründete 1647 ein Jesuitenkolleg in Bamberg, aus dem sich die Universität Bamberg entwickelte. 1745 wurde der erste Medizinlehrstuhl eingerichtet. Franz Ludwig von Erthal (1730 bis 1795), Fürstbischoff von Bamberg und Würzburg gründete 1769/70 die Medizinische Fakultät der Universität Bamberg. 1770 wurde Adalbert-Philipp Gotthard, der Ältere, zum „demonstrator anatomiae“ der neu gegründeten Fakultät ernannt. Er führte auch die ersten Obduktionen und Demonstrationen in Bamberg durch. Seine Institutsräume waren im Keller der heutigen Justizvollzugsanstalt, unmittelbar neben der Regnitz gelegen; aufgrund der Wärme und Feuchtigkeit im Sommer, wurden die Obduktionen und Demonstrationen nur im Winter durchgeführt. Während der Sommerzeit wurden ausschließlich Tiere seziert, da er auch die Veterinärmedizin zu betreuen hatte. Fürstbischoff von Erthal erbaute auch das allgemeine Krankenhaus (heutiges Hotel Residenzschloss, siehe Abb.1) als Klinik für die Universität.

Abb.1.) Allgemeines Krankenhaus Bamberg (1789 – 1984)

Das allgemeine Krankenhaus galt zu seiner Zeit als eines der modernsten in Europa, war doch in seiner Konzeption der Übergang vom Siechenhaus zum Krankenhaus zu erkennen. Die Eröffnung fand am 11. November 1798 statt.
Der erste Ärztliche Direktor der Klinik wurde Leibarzt Adalbert-Friedrich Markus (1723 – 1816).
Am 18. November 1791 hielt der vom Fürstbischof von Erthal zum ordentlichen und öffentlichen Professor für Wundarznei und Geburtshilfe an der Universität in Bamberg ernannte Professor Adalbert-Philipp Gotthard der Ältere seine erste Vorlesung. Seine Vorlesungen über Anatomie, operative Chirurgie und Geburtshilfe wurden in gedruckten Vorlesungsverzeichnungen angekündigt und fanden großen Zulauf. Nach Auflösung der Bamberger Universität im Jahre 1803, als das Hochstift dem Kurfürstentum Bamberg einverleibt werden mußte, blieb Prof. Gotthard als Lehrer an der neueröffneten medizinisch-chirurgischen Schule in Bamberg (1802 – 1809) und war später auch an der Landarztschule (1809 – 1822) eingesetzt, wo er Chirurgie und Anatomie lehrte. Außerdem war er in der Stadt noch als praktischer Arzt tätig. Die Errichtung und Eröffnung des ersten Institutes für Anatomie(siehe Abb.2 + 3 ) erfolgte 1805.

Abb.2) Institut für Pathologie des Krankenhauses Bamberg (1805 – 1963) Ansicht vom Regnitzufer Abb.3) Blick in den Sektionssaal des Institutes für Pathologie (1805 – 1963)

Die Pathologie im 19. und 20. Jahrhundert
1828 wird auch die Akademie für Allgemeinärzte aufgelöst und das Krankenhaus als Städtische Klinik übernommen. Pathologie findet in Bamberg eher beiläufig statt. Am 10. August 1887 ist ein Besuch der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte mit ihrem Vorsitzenden, Herrn Geheimrat Virchow in der Stadt Bamberg belegt. In seiner beachtenswerten Ansprache „über die hohe wissenschaftliche Bedeutung Bambergs“ erwähnt er als wichtigste Mediziner, die in Bamberg gewirkt haben: Markus, Röschlaub, Pfeuffer, Schönlein und Rienecker. Insbesondere Lukas Schönlein wird hervorgehoben, von dem er bereits 1865 sagte, dass Schönlein das Verdienst gebühre, als Erster die Methodik der Deutschen Klinik (d.h. Innere Medizin) festgestellt zu haben.
Erst Anfang des 20. Jahrhunderts werden in Bamberg unter der Leitung des Sanitätsrates Dr. Karl Döpke (1868 – 1945) wieder Sektionen durchgeführt. Dr. Döpke erhielt seine Medizinausbildung in Berlin und hatte von 1893 bis 1895 im Institut unter Rudolf Virchow gearbeitet. Dies erklärt, warum er, obwohl Internist, als Pathologe und Rechtsmediziner in Bamberg wirkte. Kurz vor Ende seiner Dienstzeit hatte er dafür Sorge getragen, dass zumindest ein Assistenzarzt in jeder Abteilung pathologisch-anatomische Erfahrungen hatte und wichtige Obduktionen durchführen konnte. Die mikroskopischen Untersuchungen wurden an die benachbarten Universitäten gegeben.

Die Pathologie nach dem 2. Weltkrieg
Eine eigenständige Abteilung bzw. Institut für Pathologie wurde in Bamberg erst nach dem 2. Weltkrieg eingerichtet. Das Bamberger Institut für Pathologie wird somit im August 2003 58 Jahre alt und ist noch sehr jung - dennoch ist es das Älteste im Regierungsbezirk Oberfranken. Der erste Pathologe mit zumindest partieller Selbstständigkeit war Dr. Hans-Joachim Bühnemann (1908 bis 1963). (siehe Abb. 4)

Abb.4) Dr. H-J. Bühnemann, erster Leiter des Bamberger Institutes für Pathologie von 1945 – 1963

Herr Kollege Bühnemann wurde am 28. Januar 1908 in Massow/Pommern geboren, nach dem Abitur in Lüneburg absolvierte er von 1929 bis 1935 das Medizinstudium in Halle/Saale, Königsberg und Würzburg. Er promovierte an der Unversität Würzburg 1937 mit der Arbeit „Über die Mitbeteiligung der Conjunktiva Bulbi bei Herpes Zoster“.
Vom 1. Januar 1936 bis 19. Nov. 1939 war er als Hilfsassistent und später als außerplanmäßiger und planmäßiger Assistenzarzt beschäftigt. Von 1939 bis 1945 nahm er als Arzt und Pathologe im 2. Weltkrieg in Frankreich teil.
Nach Ende des 2. Weltkrieges übernahm er auf Empfehlung von Prof. Eugen Kirch vom 25. August 1945 bis Ende des Jahres eine unbezahlte Tätigkeit als Pathologe am Krankenhaus Bamberg. Ab 1.1.1946 wurde Herr Dr. Bühnemann als Assistenzarzt der Chirurgischen Abteilung eingestellt, als Pathologe stand ihm ein Liquidationsrecht zu. Ende 1948 wurden alle ärztlichen Mitarbeiter am Krankenhaus Bamberg, mit Ausnahme des internistischen und des chirurgischen Chefarztes gekündigt, obwohl sie formal unbefristete Verträge hatten. Vom 31. März 1949 bis 1962 war Herr Bühnemann ausschließlich über sieben Zeitverträge (1-3 Jahre Dauer) beschäftigt. In diese Zeit der Kettenverträge fiel seine Ernennung am 01. April 1953 zum Städtischen Oberarzt, der weiterhin dem Ärztlichem Direktor unterstellt war. Erst auf wiederholte Eingaben gelang es am 5. Mai 1962 die Anstellung in eine unbefristete umzuwandeln.
Kurze Zeit später konnte er die Eröffnung des Neubaus der Pathologie, für die er so viele Jahre gekämpft hatte, feiern (siehe Abb. 5-7).

Abb 5) Neubau des Bamberger Institutes für Pathologie 1963 Ansicht vom Maienbrunnen Abb 6) Sektionssaal im neuerbauten Institut (1963 – 1984) Abb 7) Histologisches Labor im neuerbauten Institut (1963 – 1984)

Am 14. Juni 1963 verstarb Herr Kollege Bühnemann an einem Herzinfarkt.
Die Besonderheiten während seiner Tätigkeiten lagen in den bereits aufgeführten Kettenverträgen über 13 Jahre, heute in dieser Form unvorstellbar.
Auch war die Tatsache, dass der Pathologe dem chirurgischen Chefarzt
und Ärztlichem Direktor unterstellt war, zwangsläufig nicht frei von Konflikten. Nachmittägliche Ausflugsfahrten von Herrn Kollegen Bühnemann mit Motorrad und Beiwagen bzw. Auto in das Oberbayerische sind gut belegt, um so die dienstlich angehäuften Frustrationen abzubauen.

Herrn Bühnemann folgte Dr. Heribert Peter (1921 – 1998) als Pathologe in Bamberg nach (siehe Abb. 8).

Abb 8) Dr. Heribert Peter, Chefarzt des Bamberger Institutes von 1965 – 1986

Herr Dr. Peter wurde am 16. 05 1921 in Sternberg/Mähren geboren, nach Abitur und Teilnahme am 2. Weltkrieg studierte er von 1945 – 1950 Humanmedizin in Kiel. Danach arbeitete er als Assistenzarzt am Pathologischen Institut der Universität Kiel unter Prof. Büngeler, wo er 1952 über „Beziehungen der Osteopathia fibrosa generalisata zur sogenannten renalen Trachitis“ promovierte. Er wechselte sodann an das Pathologische Institut Krefeld (Privatdozent Dr. von Törne), 1956 und 1957 wirkte er als Assistenzarzt am Pathologischen Institut Bremen unter Prof. Scriba und im November 1957 wechselte er als Oberarzt an das Max-Planck-Institut für Gewebezüchtung in Berlin-Dahlen.
Von hier aus ging er als Oberarzt an das Pathologische Institut Essen, unter der Leitung von Prof. Dr. W. Müller, wo er sich zunehmend auch für gerichtsmedizinische Fragestellungen interessierte. Am 01.04. 1964 wechselte er als zweiter Landgerichtsarzt nach Bamberg.
Während seiner Tätigkeit als Landgerichtsarzt in Bamberg betreute er das Krankenhaus Bamberg in Obduktionen und histologischen Untersuchungen mit, weshalb er sich zum 01.01.1965 entschied, die Leitung des Bamberger Institutes für Pathologie zu übernehmen. In seiner mehr als 20-jährigen Dienstzeit sind zwei Ergebnisse besonders hervorzuheben: Neben chirurgischem Chefarzt und internistischem Chefarzt war Herr Dr. Peter der dritte leitende Arzt einer Abteilung am Krankenhaus Bamberg. Weil seine Vorgänger über Jahrzehnte dem chirurgischen Chefarzt und Ärztlichen Direktor unterstellt waren, wurde er bewußt von vielen Entscheidungen ausgeschlossen. Auch mußte er sich mit wiederholten Anträgen bei der Stadt Bamberg das Recht erkämpfen, die Dienstbezeichnung „Chefarzt“ führen zu dürfen. Weiterhin war ein wichtiges Ereignis während seiner Dienstzeit die Planung und Neubau des Institutes für Pathologie im Klinikum am Bruderwald, dem er sich mit großem Engagement gewidmet hat. Am 29. Februar 1984 wurde das neue Klinikum bezogen (siehe Abb. 9 + 10).

Abb. 9) Umzug in das Klinikum am Bruderwald 1984 Abb 10) Histologisches Labor im neuen Bamberger Klinikum (1984)

Dr. Peter schied zum 14. Juli 1986 aus Altersgründen aus.
Ihm folgte Prof. Dr. Bernhard Kaduk (siehe Abb.11) - geb. am 12. Nov. 1945 in Lohnau/Oberschlesien) als Leiter des Bamberger Institutes nach. Prof. Kaduk hatte nach dem Studium in Erlangen, Insbruck, Zürich und wiederum Erlangen 1973 über „Intermediärzone bei Säuglingen und Kindermägen“ an der Universität Erlangen promoviert. Er war 1973 bis 1983 Assistenzarzt am Institut für Pathologie in Erlangen unter Prof. Dr. Volker Becker, 1981 habilitierte über experimentielle Cardiamyopathien und wurde 1983 zum C2-Professor ernannt. Er war vom 15. 07. 1986 bis 31. Oktober 1991 für fünf Jahre Chefarzt des Institutes für Pathologie am Klinikum Bamberg, danach schied er auf eigenen Wunsch, aus den Diensten der Stadt Bamberg aus und ist seit Ende 1991 niedergelassener Kassenarzt in München.

Abb. 11) Prof. Dr. Bernhard Kaduk, Chefarzt des Bamberger Institutes von 1986 - 1991

Seit 1. November 1991 leitet Prof. Dr. Gerhard Seitz (siehe Abb. 12) das Institut für Pathologie.

Prof. Dr. Gerhard Seitz, seit 01.November 1991 Chefarzt des Institutes für Pathologie (Karikatur von Chr. Pfohlmann, 2000)

Die Ausrichtung der 87. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie im Juni 2003, wird sicherlich zu einem Höhepunkt seiner Dienstzeit in Bamberg werden. Der kulturelle Glanzpunkt der Jahrestagung wird die von ihm initierte und mit organisierte Salvador Dali Ausstellung zum 100. Geburtstag des Künstlers sein. Diese Ausstellung wird sicherlich in die Annalen der Stadt eingehen, es läßt sich heute schon, wenige Wochen nach Ausstellungsbeginn, zeigen, wie das öffentliche Leben und die Wahrnehmung der Bamberger Bürger durch diese Ausstellung beeinflusst (siehe Abb. 13 u. 14) werden.

Abb.13) Bamberger „Dali-Reiter“ – Zeichnung von Chr. Pfohlmann, 2003 Abb 14) Dali-Anamorphose im Dom zu Bamberg (nach einer Idee von Dr. U. von Streitberg, Bamberg)


Literatur
1. Bruno Müller: Die Gebrüder Adalbert Philipp und Josef Friedrich Gotthard - zwei Professoren der Medizin und Tiermedizin an der Univeristät Bamberg um 1900 in Hist.Verein Bbg. Bericht 121, 1985

2. Heribert Peter: Pathologisches Institut des Städtischen Krankenhauses Bamberg – Ed.: W. Sandritter, P. Gedigk, G. Seifert, G. Schütz: Pathology Guide of Germany, 10. International Congress of International Academy of Pathology, Hamburg, 1974

3. Bernhard Schemmel: Das Allgemeine Krankenhaus Fürstbischof Franz Ludwig von Erthals in Bamberg von 1799. Ausstellungskatalog der Staatsbibliothek Bamberg , 1984.